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Ich arbeite, also bin ich… Mama // by Meli von mumandcherry.de

Ein Beitrag von Heike

arbeitende Mama

Berufstätige Mamas, heutzutage in meinem Umfeld keine Seltenheit, eher die Regel. Frauen die Arbeiten wollen, manche aber auch weil sie müssen. Immer unter dem gleichen Druck stehend – allem gerecht werden, Arbeit, Kind, Familie und vor allem sich selbst. Wie dieser Alltag ausschaut, ist für Außenstehende, gerade auch für mich ohne Kind, nicht immer nachvollziehbar. Kann das funktionieren? Mama eines 15 Monate alten Sohns zu sein und trotzdem als Berufstätige im meist turbulenten Marketing den Anforderungen gerecht zu werden? Wie dieser Alltag aussieht, das berichtet euch heute meine Kollegin Meli.


MELI

33 Jahre, kaffeesüchtig, Mama aus Leidenschaft, vollzeitnahe Teilzeit-E-Mail-Marketing-Managerin, Bücherwurm, Backfee, Bloggerin mit Herz und im Kopf ständig auf Reisen.

mumandcherry.de

 


Ich arbeite, also bin ich… Mama

Vielleicht ist im Moment nicht der ideale Zeitpunkt, einen Beitrag über das Leben als arbeitende Mama zu schreiben. Nach einem Wochenende mit in Summe ca. 8 Stunden Schlaf, wird mein Körper schon den ganzen Tag von einer stählernen Müdigkeit geplagt. Irgendwie finde ich aber auch, dass es keinen besseren Zeitpunkt geben könnte, da ich in solchen Zuständen meist schonungslos ehrlich bin. Und genau das braucht dieses Thema auch.

Denn an einem Leben als arbeitende Mama gibt es nicht allzu oft etwas weichzuzeichnen. Die Tage sind oft anstrengend und durch organisiert bis auf die letzte Minute. Wobei an vielen Tagen auch die Organisation für den Mülleimer ist, denn mit einem kleinen Kind kann man eben nicht alles organisieren und planen.

Ich habe wirklich versucht relaxt an den neuen Lebensabschnitt heranzutreten, mir nicht zu viel vorzunehmen, vorzustellen und zu wünschen. Trotzdem war ich sehr aufgeregt, wie wohl alles wird, ob ich allen gerecht werde. Schon nach 2 Monaten ist die Ernüchterung da. Nächte, die ich auf dem Kinderzimmerfußboden verbringe, da Mr. M gerade Zähne bekommt. Geplagt mit hohem Fieber, dass ihn nachts einfach nicht zur Ruhe kommen lässt. Da er sein Bett dem unseren vorzieht, bleibt mir dann nur der Fußboden. Anrufe während der Arbeit aus der Kita, Mr. M ist mehrfach gestürzt und ich sollte ihn schnell holen und zum Arzt bringen. Nachmittage im Krankenhaus, mit Verdacht auf Gehirnerschütterung oder Brechdurchfall. Oder einfach Tage, an denen nach meinem Feierabend um 14 Uhr Mr. M von der Kita geholt, die Wohnung geputzt, der Kühlschrank gefüllt und die Wäsche gewaschen werden will. Nicht jeden Tag gleich viel, aber dennoch jeden Tag ein wenig. Und natürlich möchte ich jeden Tag auch so viel Zeit wie möglich meinem Kind widmen.

Das alles trägt oft nicht zu einem normalen Tagesablauf bei. Durch unseren frühen Start in den Tag, Mr. M ist meist das erste Kind, das in der Kita aufkreuzt, versuche ich uns so viel Zeit wie möglich zu verschaffen. Aber auch diese Zeit ist meist nicht genug. Die besagte sitzt mir jeden Tag im Nacken, mal nagend, mal laut Tickend, aber immer mit einer Minute zu wenig als zu viel. Deadlines auf der Arbeit, die eingehalten werden müssen, für mich immer mit dem Wissen ich kann nicht einfach so lange an dem Tag arbeiten bis alles fertig ist. Nein, ich muss alles fertig haben, bis Mr. M von der Kita abgeholt werden muss. Da reichen meine 6 Arbeitsstunden oft nicht mal aus, um sich auch mal in Ruhe mit den Kollegen auszutauschen. Was doch gerade heutzutage und in meinem Bereich so wichtig ist. Ich komme mir als Teilzeitkraft sowieso schon oft nicht komplett zugehörig vor, obwohl ich mit meinen 75% ja schon vollzeitnah arbeite. Sprüche wie „Mensch, hast du es gut, 14 Uhr und schon Feierabend“ hab mich am Anfang echt auf die Palme gebracht. Mittlerweile lächle ich schwach und winke ab. Feierabend, was ist das?

Mit 100 durch die 50er Zone

Genau so fühle ich mich an manchen Tagen. Immer den Fuß auf dem Gaspedal, voll durchgedrückt. Oft am Limit, oft mit dem Wissen, doch wieder nicht jedem gerecht geworden zu sein.

Doch das ist nur der Anfang. Es wird sich einspielen, es wird sich nicht mehr so gehetzt anfühlen, es wird zum Normalzustand werden, so wie alles nach einer Weile. Das hat mir auch eine Freundin versichert. Nichtsdestotrotz darf man das Leben als arbeitende Mama niemals unterschätzen. Es wird viel vom einem abverlangt. Kraft, Geduld, Mut und vor allem auch Einstehen für die eigene Meinung. Und natürlich auch das Verlassen der eigenen Komfortzone. Diese Umkreist man irgendwann nur noch.

Das Gute liegt aber trotzdem ganz nah

Da ich zu Beginn Ehrlichkeit versprochen habe, soll auch folgendes nicht unausgesprochen bleiben. Oft gibt mir die Situation aber auch ein Hochgefühl. Schließlich gibt mir meine Arbeit auch eine gewisse Sicherheit, eine Unabhängigkeit. Ich möchte Mr. M ein schöne Leben bieten können, ich möchte, dass es ihm an nicht viel fehlt. Damit meine ich nicht, dass er Markenklamotten in Massen und tausend Spielsachen braucht. Nein, ich möchte ihm Unternehmungen bieten, die Welt zeigen. Aber auch mein Bild der Welt. Dass jeder das machen kann, was er gerne möchte, auch wenn es vielleicht oft nicht der gängige Weg ist. Ich wollte eigentlich schon immer eine unabhängige Mama sein, meinem Job nachgehen und trotzdem eine gute Mama. Das eine schließt für mich das andere nicht aus. Es ist ein Spagat, aber es ist auch das Gefühl jeden Tag aufs Neue über sich hinaus zu wachsen und mehr zu schaffen, als erhofft.

Nicht einfach, aber tauschen möchte ich nicht

Das Leben einer arbeitenden Mama ist anstrengend und oft nicht einfach. Aber tauschen möchte ich mit niemand. Ich bin froh darüber, wie wir es gemeinsam zum größten Teil wunderbar gemeistert bekommen. Und ich bin glücklich so ein wundervolles Kind zu haben, dass es mir ermöglicht so ein Leben zu führen und mir wirklich nie das Gefühl gibt, dass es zu kurz kommt.

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