Ein Interview | Histaminarme Ernährung und Histaminunverträglichkeit | Shades of Nature
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Ein Interview | Histaminarme Ernährung und Histaminunverträglichkeit

Posted on 15. August 2016

Ein Beitrag von Kat

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Sandwiches brushtta with roasted cherry tomatoes, soft cheese, garlic and herbs on a rustic wooden board and white kitchen towel over a dark wood background. Top viewDas Thema Histaminintoleranz beschäftigt mich schon seit einer Weile. Früher als „Penibelchen“ abgestempelt, weiß ich heute warum ich zum Beispiel einen knallroten glühenden Kopf bekommen, nachdem ich mir eine große Portion Spaghetti mit Tomatensoße und einem Glas Rotwein gegönnt habe – es ist das Histamin. Hanna vom Blog Rubbelbatz ist Histaminintolerant und sie hat sich tiefgehend mit dem Thema histaminarme Ernährung und Histaminunverträglichkeit beschäftigt, genau die richtige Ansprechpartnerin für ein kleines Interview.

Zu allererst Hanna, was ist dieses „Histamin“ eigentlich?

Histamin ist ein Botenstoff, ein Gewebshormon und Neurotransmitter, der im Körper vielfältige Aufgaben erfüllt. Bei einer allergischen Reaktion wird Histamin aus den Mastzellen ausgeschüttet, anschließend aber schnell wieder abgebaut. Histamin ist auch wichtig für die einwandfreie Funktion des körpereigenen Immunsystems. Außerdem findet man Histamin auch in zahlreichen Nahrungsmitteln – entweder auf natürliche Weise, oder weil die Nahrung vergoren, gereift oder konserviert wurde.

Du ernährst Dich bewusst histaminarm – was sollte man dabei besonders beachten?

Wer, aus welchem Grund auch immer, wenig zusätzliches Histamin mit der Nahrung aufnehmen möchte, für den gibt es einiges zu beachten. Es gibt Nahrungsmittel, die einen sehr hohen Histamingehalt aufweisen und solche, die nur für sehr anfällige Personen eine Rolle spielen.

Die wichtigsten Histaminlieferanten aus der Nahrung sind:

Rotwein // Fisch & Meeresfrüchte // Tomaten, Aubergine, Avocado // Hefe und Hefeextrakt // Hartkäse // Essig // Hackfleisch // Zitrusfrüchte & Banane // Geschmacksverstärker // Konservierungsstoffe // Kakao

Warum ist es sinnvoll sich histaminarm zu ernähren?

Gründe, sich histaminarm zu ernähren, gibt es viele. Allerdings macht es keinen Sinn, dies ohne Veranlassung zu tun. Histaminarme Ernährung ist nicht automatisch gesünder. Im Gegenteil: Weil man auf viele Nahrungsmittel verzichten muss, ist es schwieriger, alle wichtigen Nährstoffe zu sich zu nehmen und richtig zu verwerten.

Wer allerdings an einer Histaminunverträglichkeit leidet, für den bietet sich keine andere Option als das Histamin in der Nahrung zu meiden. Zunächst hört sich das, wenn man die Liste an verbotenen Nahrungsmitteln betrachtet, wirklich hart an. Allerdings bessert sich der Zustand dadurch enorm und jeder Betroffene wird am Ende den Verzicht den Symptomen vorziehen. Mit der Zeit gewöhnt man sich auch an die neue Ernährungsweise und lernt, trotzdem gut zu essen.

Histaminintoleranz tomatenEs gibt außerdem eine Reihe an Krankheiten, bei denen eine histaminarme Ernährung helfen kann. Wer von einer der folgenden Krankheitsbilder betroffen ist, dem kann unter Umständen der Verzicht auf Histamin ebenfalls weiterhelfen:

Mastozytose (Anhäufungen von Mastzellen in der Haut oder in den inneren Organen) // Heuschnupfen // Asthma // Migräne // Mittelohrentzündung // Bronchitis // chronische Nasennebenhöhlenentzündung // Erkrankungen des Herzkreislaufsystems // Schwellungen der Augen oder der Gelenke // Erschöpfungszustände // Ausschläge, Neurodermitis // Abwehrschwäche // Rheuma // Sonnenallergie und weitere allergische Reaktionen

Was passiert eigentlich in meinem Körper, wenn ich an einer Histaminintoleranz leide?

[pullquote width=“300″ float=“left“]Eine Fischvergiftung ist nichts anderes als eine Histaminvergiftung.[/pullquote]

Von einer Histaminunverträglichkeit spricht man, wenn das mit der Nahrung aufgenommene Histamin nicht vom Körper abgebaut werden kann. Das passiert normalerweise im Darm. Dort wird das Histamin von Enzymen (Diaminoxydase) aufgespalten und so unschädlich gemacht. Bei Menschen mit einer Unverträglichkeit passiert dies nicht in ausreichendem Maße, weil zu wenig Enzyme vorhanden sind. Das Histamin bleibt vorhanden und geht an einem späteren Punkt im Verdauungssystem ins Blut über. Was Histamin dann im Körper anrichten kann, weiß jeder, der schon einmal eine allergische Reaktion oder eine Fischvergiftung hatte. Denn eine Fischvergiftung ist nichts anderes als eine Histaminvergiftung: der verdorbene Fisch enthält so viel Histamin, dass auch ein „normales“ Verdauungssystem nicht damit fertig wird.

Die Reaktionen reichen von Hautausschlägen, Kopfschmerzen, Schwindel und Verdauungsproblemen bis hin zu psychischen Beeinträchtigungen, Angstzuständen und Depressionen.

Ist Histaminintoleranz also eine anerkannte Krankheit?

Die sogenannte Histaminintoleranz wird immer mal wieder als eine „Mode-Erkrankung“ deklariert und es wird manchmal sogar bezweifelt, dass es sie wirklich gibt. Grund dafür mag sein, dass sie sehr schwer und niemals eindeutig zu diagnostizieren ist. Jeder Betroffene aber wird bestätigen können: Die Erkrankung gibt es und sie führt meist zu einem sehr langen Leidensweg. Denn die Ärzte suchen zuerst nach sämtlichen Allergien, anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Darmerkrankungen. Oft geht dieser Ärztemarathon viele Jahre und am Ende wird die Krankheit als „psychosomatisch“ abgestempelt. Als Betroffener, und da spreche ich aus eigener Erfahrung, fehlt einem irgendwann die Kraft, noch an eine Besserung des Zustandes zu glauben und man beginnt, sich damit abzufinden. Zum Glück durfte ich auch am eigenen Leib erfahren, dass man das nicht muss.

Liebe Hanna, vielen Dank für dieses sehr informative und aufschlussreiche Interview zum Thema histaminarme Ernährung und Histaminunverträglichkeit.

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