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Gedanken | Lasst uns übers Stillen reden…

Posted on 25. Juli 2017

Ein Beitrag von Kat

Vor ein paar Wochen begann meine Still-Karriere. Und was soll ich sagen, fast von Beginn an, läuft es hier richtig gut. Und das meine ich wörtlich, es läuft! Dass das Stillen in den ersten Wochen einfach, schmerzfrei und gar harmonisch war, geschweige denn von Stillromantik zu sprechen, davon sind wir meilenweit entfernt gewesen. Um es auf den Punkt zu bringen, es war schmerzhaft, blutig und anstrengend. Warum ich das hier so genau schreibe?! Weil ich es wichtig finde das Thema zu entromantisieren.

Wer meinen Blog schon einige Zeit liest, weiß dass es nicht das erste Mal ist dass ich das Stillen thematisiere. Vor zwei Jahren bei Felix ist  im Grunde alles schief gelaufen was nur schief laufen konnte, was letztendlich nach nur wenigen Wochen zum radikalen abstillen auf ärztliches Anraten hin führte. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich damals mitunter deswegen gerade so an einer schlimmen Wochenbett Depression vorbei geschrappt bin.

Kaum war ich mit Emil schwanger, war mir klar, ich werde es wieder versuchen, ich werde mein Baby stillen! Aber diesmal wollte ich es anders machen, auf mein Baby hören, auf mich hören, auf meinen Mamainstinkt vertrauen.

Diese Selbstsicherheit gab mir Kraft. So ließ ich mir zum Beispiel von den Krankenschwestern die Idee nicht madig machen, dass ich meinem wenige Tage alten Kind ein Schnuller geben möchte. Es sind meine Nippel die hier in Fetzen liegen und wenn mein Kind nuckeln will, soll es das – zur Not eben auch an einem „Beruhigungssauger“. Genauso habe ich die Entscheidung getroffen kurzweilig zuzufüttern. Es waren Situationen in denen ich gemerkt habe es geht gerade nicht weiter, wir haben beide keine Kraft mehr, der Mini weil er Hunger hat und ich, weil ich unbedingt einmal eine Erholungsphase brauche, die länger als 45 Minuten dauerte. Also gab es noch während des Krankenhausaufenthalts zweimal ein kleines Pre-Fläschchen und es hat nichts geschadet.

Ich bin der Meinung, dass ein wenige Tage altes Baby die Brust der Mama sicherlich nicht verweigern wird, weil es ein-zweimal ein Fläschchen mit Fertignahrung getrunken hat. Vielmehr wird ein Kind und auch die Mama die Freude am Stillen verlieren, wenn dahinter dieser unglaubliche Druck „Ich MUSS mein Kind jetzt stillen!“ steht. Hört auf euch und euren Körper, macht das was euch gut tut!

Einige weitere Dinge, die mir in den ersten Wochen beim Stillen lernen geholfen haben:

Lanolin Salbe für die Brustwarze

Gerissene Brustwarzen tun höllisch weh! Aber die Haut ist nun mal sehr empfindlich, muss sich an die neuen Anforderungen erst gewöhnen. Die pflegende Fettsalbe lässt Wunden schneller abheilen und hält die Haut schön weich.

Multi-Mam Kompressen

Eine Intensivpflege für geschundene Brüste – in den Kühlschrank damit und sie kühlen auch noch wunderbar.

Stillhütchen

Was hätte ich nur ohne sie gemacht… gerade bei Schlupfwarzen oder sehr kleinen Kindern, welche die im Verhältnis sehr groß wirkende Brustwarze schwer zu fassen bekommen, helfen diese „Formgeber“ unglaublich gut. Im Grunde sind das kleine Plastikkappen die man über die Brust legt. Der Speichel kommt nicht direkt mit der Brustwarze in Kontakt und auch die Reibung ist nicht ganz so heftig. Sehr angenehm, gerade wenn alles ein wenig wund ist. Wichtig: damit Kind und Brust sich an den neuen Job gewöhnen können, die Benutzung langsam ausschleichen lassen.

Kühlpads

Gerade bei warmen Temperaturen habe ich gemerkt wie die Milch besonders heftig eingeschossen ist, ich hätte drei Kinder stillen können. Kühlen hat hier enorm geholfen. Spezielle Kühlpads wie die 3-in-1 Thermoperlen von Lansinoh lagen bei mir immer im Kühlschrank und kamen nach dem füttern direkt zum Einsatz

Das ist doch Quark…?!

Schmerzende Brüste, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen – so fühlt sich ein Milchstau an. Quarktaschen bekommen in diesem Moment eine ganz andere Bedeutung. Stilleinlagen mit etwa 1 cm Quark bestreichen und ab damit in den (Still) BH. Das kühlt ganz wunderbar und hilft gegen die Entzündung in der Brust. Weißkohl soll in solchen Fällen im übrigen auch sehr gut helfen!

Luft Luft Luft

Im Sommer bei weitem leichter gesagt als im Winter – aber die Mutterbrust muss atmen. Nach dem Stillen am besten noch ein wenig Muttermilch auf der Brustwarze verteilen und dann an der Luft trocknen lassen. Sieht nicht immer elegant aus wenn den halben Tag die nackte Brust raus hängt, aber wer sieht im Wochenbett schon elegant aus?

Stilleinlagen – aber bitte die Richtigen

Einer der Fehler die gerade im Sommer fatal sind – handelsübliche Stilleinlagen. Klar heißt es sie sind luftdurchlässig und atmungsaktiv, aber bei den meisten Stilleinlagen ist immer an der Rückseite eine leichte „Plastikfolie“ verbaut. Jetzt stellt euch mal vor, Milch sickert in diese Einlagen, schön bei 37 Grad Körpertemperatur, keine Luft kann zirkulieren – ein wunderbarerer Nährboden für all das was man nicht gebrauchen kann. Also entweder die Milch ganz einfach laufen lassen – auch wenn die Wäscheberge enorm sind, aber was zu viel ist muss eben irgendwie raus. Oder auf wiederverwendbare Stilleinlagen aus Stoff zurückgreifen, wie zum Beispiel von alana bei dm, oder selbst zugeschnittene Mullbahnen in den BH legen. Letztendlich kamen für mich die besten sind die Stilleinlagen von Nahtkäfer. Nicht nur optisch genial, sondern auch saugstark!

Ohne ordentlichen BH keine Competition

Bevor der BH nicht richtig passt und die Hälfte der Milchkanäle abdrückt, tragt lieber gar keinen BH – ihr müsst ja sowieso ständig den Busen auspacken. Falls man sich mit BH jedoch wohler fühlt, dann sollte er perfekt sitzen und praktisch sein. Meine liebsten Still BHs sind zum Beispiel gar keine richtigen Still BHs, sondern Soft-Bras von H&M, die sich ganz easy auf die Seite ziehen lassen um so die Milchbar freizulegen.

Überschüssige Milch loswerden…

Da ich anfangs eindeutig zu viel Milch hatte, habe ich vom Brustäußeren zu Mitte hin in kleinen kreisenden Bewegungen die Brust massiert, so begann die überflüssige Milch von ganz alleine abzufließen. Außerdem hatte ich mir auch mal eine große Tasse Salbeitee gegönnt, denn dieser wirkt milchhemmend. Zu diesem Mittel also bitte nur greifen, wenn ihr wirklich zu viel Milch habt!

Nach rund 6 Wochen war er dann plötzlich verschwunden, der ziehende Schmerz beim Stillen. Ich konnte während ich Emil fütterte wieder denken, mich sogar mit meinen Mitmenschen unterhalten. Und nun nach 10 Wochen ist sie glaube ich wirklich da, diese Stillromantik von der so viele Mütter sprechen. Und soll ich mal ehrlich sein, ich bin richtig stolz auf mich und mein Baby, dass wir es diesmal gemeinsam so toll hinbekommen habe.

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2 Comments

  • Reply
    Katrin
    27. Juli 2017 at 12:25

    Hey,
    Toller Artikel. Mein Sohn ist jetzt 3 Monate alt und bei uns war es fast genauso. Ich stille aber noch immer mit Hütchen – irgendwie lässt es sich nicht mehr so leicht abgewöhnen.
    Ich bin das stillen total entspannt angegangen weil es bei meiner großen Schwester beim ersten Kind toll geklappt hat und beim zweiten gar nicht, manchmal soll es einfach nicht sein und das war auch meine Einstellung. Maxi hat auch schon in der ersten Nacht einen Schnuller bekommen, und die ersten drei Tage PreNahrung, hat ihm 0 geschadet. Er hat noch immer ein großes Saugbedürfnis, wir haben das mit dem Schnuller aber gut im Griff, ich möchte nicht das den ganzen Tag an meinem Körper herumgenuckelt wird wenn es nicht der Nahrungsaufname dient. Meine Mama ist seit 40 Jahren Säuglingskrankenschwester und meint generell das die Sache mit der Saugverwirrung ein Ammenmärchen ist 🙂

    Schön das Du Deine Geschichte(n) geteilt hast, als Erstgebärende wird man doch von vielen Seiten verunsichert!

    Liebe Grüße, Katrin

  • Reply
    Mo
    27. Juli 2017 at 17:49

    Ich selbst habe mir keine großen Gedanken darüber gemacht, dass das Stillen nicht klappen könnte. Ich bin da recht selbstsicher ran, obwohl es mein erstes Kind ist.
    Ja, anfangs ist es schmerzhaft, blutig, nicht wirklich toll. Doch bei mir war das nach zwei Wochen vergessen und alles abgeheilt, ohne Hilfsmittel. Meine Kleine war aber auch von Anfang an (bereits im Kreißsaal) ein Saugprofi 😀

    In der Klinik gabs für sie auch einmal Zufüttern, weil zunächst einfach zu wenig Milch kam und sie rapide abgenommen hatte. Die hat dann der Papa mit Spritze gefüttert.
    Schnuller bekommt sie auch, wenn sie Nuckelbedürfnis hat, was nicht sehr oft vor kommt. Manche Babies brauchens, andere eben nicht.

    Ich kann verstehen, dass viele Frauen verunsichert sind und werden. Mich haben die Hebammen und Schwestern im Krankenhaus auch irre gemacht. Jeder erzählt da was anderes oder lässt sich völlig alleine. Selbst mich hat das kurz aus der Bahn geworfen, obwohl ich wie gesagt in der Sache recht selbstsicher war. Ich war so froh, als ich zu Hause war nach drei Tagen!

    Die ersten Wochen liefen meine Brüste auch förmlich aus. Hat sich Gott sei Dank inzwischen gelegt und an die Kleine angepasst (ist fast 12 Wochen). Denn ich habe zu Hause fast nie BH getragen und dementsprechend dauernd Shirt wechseln müssen 😀 Nachts lag ich dann auch auf einem Handtuch.
    Still-Bhs finde ich die von Bravado einfach super 🙂 Habe aber auch Bustiers von Hunkemöller, die toll sind. Trage aber gerade zu Hause auch oft gar nichts unterm Shirt.

    Stillen finde ich jedenfalls super, auch wenn es sehr anstrengend sein kann bei einem Baby, dass selbst nachts mind. alle drei Stunden einen Snack braucht 😀

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